Zu Pseudonymen

Pseudonyme im Internet sind ein Thema, welches in letzter Zeit wieder zunehmend gerne auf die Bühne gezerrt wird. So lässt zum Beispiel Google+ seine Dienste nur noch zu, wenn man sich dort unter seinem realen Namen anmeldet. Auch die Politik scheint sich nichts sehnlicher zu wünschen, als dass man sich im Internet nur noch unter seinem vollen Namen äußern kann.
Ich möchte mich an dieser Stelle nicht in die politische Diskussion einklinken, sondern meine persönliche Sicht zu diesem Thema beitragen.

Die Ennomane schreibt in einem Text, den er im Rahmen seiner Google+-Sperre veröffentlichte:

Ich bin öfters gefragt worden, warum ich denn unbedingt “Die Ennomane” statt Enno Park heißen will. Will ich eigentlich gar nicht. Es geht nicht um mich. Was ich möchte, ist ein Exempel statuieren. Ich halte die Nutzung von Pseudonymen für ein Online-Menschenrecht, das als solches noch zu deklarieren ist. Klingt pathetisch, aber darunter mache ich es nicht. Nicht nur, weil schwule Iraner gut daran tun, ihre Identität zu verschleiern, und es ein sehr berechtigtes anliegen von Lehrern auch hierzulande ist, dass ihre Schüler nicht jeden Pups im Netz nachlesen – sondern auch, weil die Hoheit über die eigenen Identitäten (ich verwende bewusst den Plural) Sache des Einzelnen sein muss. Diese ganze Diskussion müssen wir jetzt nicht wiederholen – ich habe das alles schon woanders aufgeschrieben.

Damit vertritt Die Ennomane einen Standpunkt, der unabhängig von allen Google+-Diskussionen, meiner Meinung nach, sehr wichtig ist. Auch wenn wir hier in Deutschland nicht in einer Welt leben, in der Meinungsäußerung Gefahr für das eigene Leben bedeutet, so fangen die Probleme weitaus früher an.

Dieses Blog wird anonym geführt, genau wie mein Twitter-Account und der Realitaetsfilter. Wäre ich verpflichtet, dort meinen Realnamen anzugeben, würden sie nicht existieren. Was, mit Blick auf meine Klickzahlen, wohl nicht nur ich schade fände.
Ich mache als h4wkeye im Gegensatz zu meiner offiziellen Identität keinen Hehl aus meinem Autismus. Ich habe ihn offen in meiner Twitterbio stehen und blogge darüber. Im Alltag ist das anders. Gerade der Begriff Autismus ist da sehr vorurteilsbelastet. Wenn jeder, der meinen Namen kennt, beim Googlen von selbigem auf Autismus stoßen würde, hätte ich ein ernsthaftes Problem sowohl mit meinen Mitmenschen, als auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dabei, später einen Job zu finden. Das Internet ermöglicht mir so einen offenen Umgang mit meinem Autismus, der anders nicht möglich wäre. Ein Umgang, der durch eine Klarnamenpflicht unmöglich wäre. Zumindest nicht, ohne dass das Leben mit meinen Mitmenschen tief beeinträchtigt wäre.

Hier ist Autismus nur ein Beispiel für ein Problem, welches vielen Personengruppen unangenehm werden könnte. Für dieses Problem muss man keiner Gruppe angehören, die mit gesellschaftlicher Akzeptanz zu kämpfen hat. Schon heute liest man regelmäßig von Menschen, die versehentlich unter Realnamen posteten und über Jahre hinweg mit den Auswirkungen zu kämpfen haben. Dies würde uns allen blühen, denn im Gegensatz zum bayrischen Stammtisch vergisst das Netz das Gesagte nicht nach dem dritten Bier, sondern nur in seltenen Fällen.

Versprechen

Er musste ihr versprechen nichts Unüberlegtes zu tun, bevor sie ihn gehen ließ.
Als er sich eine Stunde auf dem Geländer der alten Eisenbahnbrücke stand, war alles genau überlegt. Er hatte diese Stelle über Wochen hinweg ausgesucht. Dort wo er aufprallen würde, hatte er in den Vergangenen Woche keine Spur von Menschen ausmachen können. Das Einzige was dort unten lebte war ein Haufen Ameisenkolonien und die würden dafür sorgen, dass nicht mehr genug von ihm übrig bleiben würde. Er wollte nicht auch noch über sein Leben hinaus Menschen belasten.

Als er sich umdrehte und sich mit dem Rücken zuerst fallen ließ, sah er für den Bruchteil einer Sekunde in ihr Gesicht und sein Fehler wurde ihm bewusst:
Er hatte nicht an die Möglichkeit gedacht, dass sie ihm folgen könnte.