Von autistischen Zügen

Manchmal entstehen aus Twitter-Blödeleien dann doch tatsächlich Blogtexte. So in diesem Fall ein Drehbuchfragment von MrsGreenberry von mir. Weit weg davon ernst genommen, geschweige denn sich selbst ernstzunehmen, aber an ernstgemeinten Inspirationen von anderen mangelte es uns dann leider auch nicht.


Szenerie: Ein warmer, heller Sonnentag, die Kamera fährt an einem Schmetterling entlang über einen Rangierbahnhof, auf dem einige junge Loks fröhlich spielen. Sie fährt auf eine einzelne Lok, die Abseits auf einer Rangierscheibe immer wieder im Kreis fährt.

Erzähler(off): Das ist Clemens. [bedeutungsschwere Pause]. Clemens leidet an Autismus. Er ist gefangen in seiner eigenen Welt und kümmert sich nicht um andere Menschen. Während andere Loks fröhlich miteinander spielen, ist Clemens nur mit sich selbst beschäftigt.

(Die Kamera fokussiert nach Clemens nun die im Hintergrund spielenden Züge. Melancholische Geigenmusik setzt ein.)

Erzähler(aus dem off. weiterhin begleitet von der Geigenmusik): Gefühle sind Clemens fremd. Freude, Trauer oder Mitleid kann er nicht empfinden.

(Die Kamera zoomt nun aus der Szene hinaus. Eine traurige Mutterlok wird sichtbar, die Clemens beobachtet. Die Kamera wechselt erneut und fährt langsam über ein vergilbtes Foto, auf dem Clemens allein auf einem Abstellgleis steht und mit seinem Schornstein Seifenblasen macht.)

Mutterlok(aus dem Off): Ich habe schon früh gemerkt, dass mit Clemens etwas nicht stimmt. Alle anderen Kinder waren immer so fröhlich. Bei Clemens waren nie Gefühle zu sehen.

Erzähler(off): Dann kam die schreckliche Gewissheit. [bedeutungsschwere Pause] Autismus. Prognose: unheilbar. Nun war es klar: Clemens wird niemals Beziehungen zu anderen Zügen aufbauen können, niemals ein selbstständiges Leben führen. Für immer ein Gefangener seiner eigenen Welt sein. Die Ursachen dieser schweren Erkrankung vermuten Experten in der Masernimpfung, die Clemens als Kleinkind erhielt. Noch heute macht sich seine Mutter große Vorwürfe. Noch dazu beginnt für die Eltern der schwere Weg, ihn aus seiner Welt zu befreien. Nach langer Suche finden sie einen Spezialisten, der ihnen helfen kann.

(Szenenwechsel, Besprechungszimmer eines Arztes, Blick über die Schulter der Mutter auf den Arzt)

Arzt: Die Erkrankung ihres Sohnes ist sehr ernst. Er wird den Rest seines Lebens auf fremde Hilfe angewiesen sein, doch mit viel Geduld und Trennkost können kleine Fortschritte erzielt werden, aber trotz allem wird er immer ein sehr kranker autistischer Zug sein. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit der gluten- und kaseinfreien Ernährung gemacht. Auch der Verzicht auf Kohlehydrate kann wahre Wunder bewirken. Außerdem haben wir grade frisch aus den USA von einer neue Behandlungsmethode mit Stuhlverpflanzungen erfahren, die wahre Wunder vollbringen soll.
[er überreicht den Eltern einen dicken Stapel Flyer]
Arzt: Wir wollen doch nichts unversucht lassen, einer jungen Lok wie Clemens zu helfen.

(Szenenwechsel mit Einblendung: Zwei Wochen später)

Erzähler(off): Clemens spricht seine ersten Worte. Zehn Tage Darmspülungen und Trennkost brachten diesen wundervollen Erfolg und verwandelten Clemens in einen ausgelassenen jungen Zug. Clemens wurde ein kleines Stück aus der einsamen Welt seiner unheilbaren Krankheit Autismus befreit.

(Die Szene wird zu Colplay – Paradise ausgeblendet)

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One Response to Von autistischen Zügen

  1. Lupus says:

    Äh …

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