Elf Fragen

Im Allgemeinen halte ich Menschen die meiste Zeit über für ziemlich komische Geschöpfe. Dieser seit Jahren grassierende Trend von so einer Art offenen Serienbrief bei dem man anderen Bloggern Fragen stellt, ist sicherlich einer der Gründe, die verhindern, dass mich so schnell jemand vom Gegenteil überzeugt. Nun ist es aber passiert, dass mich die fabelhafte @ribonukleinsau (und hier ist allein der Name schon eine unbeschränkte Folgeempfehlung) mir 11 Fragen ans Bein gebunden hat. Da ich mal irgendwo gelesen habe, man soll Dinge ausprobieren bevor man sie doof findet, hier nun 11 Antworten:

1. Wovor hast du am meisten Angst?

Das spannende an einer sehr ausgeprägten Phantasie ist ja, dass bei jeder Antwort, die ich geben würde, irgendwo in meinem Gehirn ein paar besonders pessimistische Areale aktiv werden würden, die erst dann wieder ruhen, wenn sie etwas finden, das mir noch mehr Angst macht. Das würde ich dann hinschreiben, worauf diese Areale sich herausgefordert fühlen würden. Aktuell ist meine größte Angst also in einer Endlosschleife aus Angst gefangen zu werden, wenn ich zu sehr über diese Frage nachdenke. Oder doch Nilpferde?

2. Hast du dir vor dem Telefonieren schon mal aufgeschrieben, was du gleich sagen möchtest?

Andauernd. Ich bin definitiv kein großer Telefonierer. Wenn ich die Person nicht gut kenne ist ein Telefonat so unangenehm, dass ich die Hälfte vergessen würde, wenn ich mir nicht im Vorfeld eine Liste mit Dingen schreiben würde, die ich besprechen muss.

3. Wenn du eine Sache an Menschen ändern könntest – was wäre das?

Vermutlich würde ich ihnen angewöhnen viel häufiger Klartext zu sprechen.

4. Würdest du dein 10 Jahre jüngeres Ich befragen, haben sich deine Wünsche und Träume von damals erfüllt?

Mein 15-jähriges-Ich steckt grade in einer sehr spannenden Runde Empire Earth und steht daher für Fragen nicht zur Verfügung. Aber vermutlich wäre es ganz zufrieden mit meinem Leben. Mit meinem Computer wäre es das in jedem Fall.

5. Was tust du, wenn dir langweilig ist?

Ich kann es kaum erwarten das mal herauszufinden.

6. Süßes Popcorn oder salziges Popcorn?

Ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben salziges Popcorn gegessen. Vielleicht mach ich das wenn mir mal langweilig werden sollte.

7. Gibt es Lieder, mit denen du etwas ganz besonderes verbindest? Welche?

Musik ist ein sehr integraler Bestandteil meines Lebens und ist unabdingbares Werkzeug um den Alltag zu überleben. Dementsprechend gibt es viele Lieder mit denen ich Stimmungen, oder ganze Phasen meines Lebens verbinde, es gibt sogar Lieder mit denen ich Teile meines Lebens verbinde, die nie geschehen sind. Dementsprechend dürfte es wohl ziemlich ausgeschlossen sein, da einzelne Lieder rauszupicken.

8. Was sollte deiner Meinung nach in Deutschland verboten werden?

Ich hätte da eine längere Liste mit diversen schädlichen „Therapie“ansätzen gegen Autismus …

9. Gibt es etwas nach dem Tod?

Gott ist leider grade in einer ziemlich spannenden Empire Earth-Partie gegen mein 15-jähriges-Ich und steht daher für Fragen nicht zur Verfügung.

10. Was machst du, wenn du nicht einschlafen kannst?

Das passiert tatsächlich häufiger, so dass es da mittlerweile eine ganze Reihe von Dingen gibt die ich mache. Einmal die Woche höre ich dabei den Einschlafen-Podcast, manchmal denke ich mir Plots für Kurzgeschichten aus. Jens ist auch in einer dieser schlaflosen Nächte entstanden. Außerdem nehme ich gelegentlich Podcasts auf wenn ich nicht zu müde dazu bin.

11. Was isst du auf deinem Teller zuerst? Das, was dir überhaupt nicht schmeckt, oder das was dir am besten schmeckt?

Ich esse immer abwechselnd von jeder Nahrungskomponente einen gleichen Teil. Da ich in der Regel meine Nahrung selbst zubereite kommen Dinge die mir gar nicht schmecken in der Regel aber auch nicht mit meinem Teller in Kontakt.

 

Damit wären wir jetzt bei dem Teil, wo ich mir 11 Fragen ausdenken und 11 Blogger nominieren müsste, worauf ich aber verzichte, da man das mit dem „alles mal ausprobieren“ auch nicht gleich übertreiben muss. Im Nachhinein fand ich das beantworten der Fragen übrigens gar nicht so doof, also wer weiß, vielleicht mach ich das in 4-5 Jahren noch einmal.

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Schlaf

Auf den Bauch drehen. Die Uhr anstarren. Auf die Seite legen, um die Uhr nicht mehr zu sehen.

Die Uhr nicht mehr sehen. Deshalb zurückdrehen. Feststellen, dass keine Minute verging. Podcasts hören wollen, um dabei einzuschlafen.

Alle Podcasts gehört haben. Aufstehen. Tee kochen. An den Rechner setzen. Backups machen. Netzwerkkabel nach Größe sortieren. Die drei Fragezeichen auf der Festplatte finden.

Ins Bett gehen. Feststellen, dass die drei Fragezeichen nicht die beste Unterhaltung sind, wenn man Erdgeschosswohnungen abseits gelegener Brandenburger Wohnheime bewohnt. Aufstehen, jedes Licht anmachen.

Auf dem Rückweg ins Bett über die Kiste mit den Netzwerkkabeln stolpern. Die Netzwerkkabel nun nach Größe und Farbe sortieren.

Im Zimmer auf und ab gehen. Dem Zeitungsboten zuwinken. Auf der Terrasse den Sonnenaufgang betrachten. Ins Bett legen.

In den zwei Stunden bis zum Weckerklingeln jede Minute einzeln niederstarren.

Snooze drücken.

Einschlafen.

Ziellos

Es hat einige Vorteile, in Brandenburg zu wohnen. Insbesondere nachts. Dazu gehört keinesfalls der Umstand, dass man nach sechs hier kaum noch wegkommt und das nächste Fast Food für eine angemessene Hungerattacke um drei Uhr morgens erst ein Bundesland weiter zu bekommen ist.
Was jedoch eindeutig dazu gehört, ist, dass man hier nach 22 Uhr nur noch drei Sorten von Menschen begegnet. Bestattern, Polizisten und anderen Studenten. Und das auch nicht sonderlich häufig und so, dass man sie früh genug hört, um ihnen aus dem Weg zu gehen. Es ist ruhig hier draußen. Verlässt man das Wohnheim, schlägt sich durch einige Hecken und läuft dann eine Weile durch ein Waldstück, kommt man irgendwann zu einer Straße, die nicht viel heller ist als das Waldstück zuvor. Nach einer weiteren Weile Straße kommt man dann zu einigen Brennnesseln hinter denen Schienen liegen.
Wie so vieles andere hier, waren auch sie mal viel besser in Schuss. Einige der Schienenstränge bestehen nur noch aus ihren Schwellen, auf die man treten kann, um weiter zu kommen. Wenn man nicht weiter kommen will, kann man sich auf sie setzen und könnte vorbeifahrende Züge beobachten. Sofern um diese Uhrzeit Züge fahren würden. So sitzt man da und schaut die Schneise entlang Richtung Horizont. Im Blick nach links sieht man Sterne. Mehr Sterne, als man das durch die Stadt, in der man aufwuchs, gewohnt sein kann. Der Horizont am gegenüberliegenden Ende der Schneise ist gelb erleuchtet von den Lichtern eines anderen Bundeslandes.
So sitzt man da. Zwischen Berlin und dem Nirgendwo – oder zwischen Berlin und den Sternen. Je nach der Laune, in der man grade ist. Und man wartet darauf, dass der 5:30-Uhr-Güterzug vor einem vorbei rauscht, um mit dem Verklingen seiner Geräusche sich selbst auf den Rückweg in ein Bett zu machen.

Montag

05:45
Jemand kotzt vor deine Tür, du wirst wach, weil er dabei im starken russischen Akzent rumbrüllt, dass er dir nicht absichtlich vor die Tür kotzt.

6:45
Im Halbschlaf hast du den Russen davon überzeugt, dass es irgendwie eine doofe Idee ist, bis morgen zu warten, und dass er es doch bitte sofort wegwischt. Nach einem Blick auf die Uhr wird dir klar, dass du die halbe Stunde Schlaf, die du jetzt noch haben könntest, besser durch einen halben Liter Kaffee und eine Dusche ersetzen solltest.

7:15
Der Russe hat sich während des Aufwischens noch zweimal übergeben und liegt jetzt schlafend neben dem Putzeimer in seinem eigenen Erbrochenen. Du steigst über ihn und gibst im Rausgehen dem Hausmeister Bescheid, dass da ein Betrunkener im Flur liegt.

8:30
Der Dozent der Vorlesung, die seit 8 Uhr gehalten werden sollte, schickt eine Mail, dass er sich wahrscheinlich 10 Minuten verspätet.

10:00
Der Professor für HTML beginnt, von Frames als Zukunft des Internets zu erzählen. Du fragst dich, wie viel Senf du wohl brauchst, damit der Tisch nicht mehr ganz so trocken schmeckt.

12:00
Das Mittagessen in der Mensa fällt aufgrund eines Brandes in der Küche aus. Als Alternative wird ein kaltes Salat- und Wurstbuffet für 5€ angeboten. Pro Teller.

16:00
Professor merkt nach einer halben Stunde, dass er im falschen Raum steht und erzählt. Du beginnst dich mit der Frage zu beschäftigen, was man eigentlich noch so studieren könnte.

18:45
Du steigst über den immer noch vor deiner Tür schlafenden Russen und das Sägemehl, das der Hausmeister über ihn und sein Erbrochenes gestreut hat. Beim Versuch den Rechner hochzufahren fliegen in der ganzen Etage die Sicherungen raus. Beim Rausgehen zum Sicherungskasten weckst du ausversehen den Russen, der fragt, ob du ein Bier für ihn hast.

19:45
Nachdem du die Sicherung wieder reingedrückt hast und seit einer Stunde versuchst, das Internet zum Laufen zu bekommen, gibst du auf und beschließt, dass es vielleicht doch eine gute Idee wäre langsam mal etwas zu essen. Vor deiner Tür hat der Russe sein Bier gefunden und singt die Melodie von Tetris.

19:55
Du stellst fest, dass der Grund dafür, dass du wieder im Dunkeln sitzt, diesmal nicht die Sicherung ist, sondern dass im Keller zwei BWL-Studenten beim Versuch den Flur zu wischen Wasser in den Hauptstromkasten gekippt haben.

20:05
Nach einem Telefonat mit dem Hausmeister bist du beruhigt, dass er sich in den nächsten Tagen darum kümmern wird.

21:00
Du versuchst aus den Resten in deinem Kühlschrank ein Essen zusammenzubasteln, für dessen Zubereitung du keinen Strom brauchst. Vor deiner Tür wird gerade der Deutsch-Russische Männerchor gegründet. Die Nationalhymne wird gesungen.

22:00
Deine verzweifelten Versuche, irgendwo in der Einöde so etwas wie mobiles Internet zu bekommen, gibst du auf. Vor deiner Tür wird die polnische Nationalhymne geübt.

01:15
Die Chorprobe wird mit freundlicher Unterstützung der Polizei, auf Empfehlung der Nachbarn hin, auf der nächsten Polizeiwache fortgesetzt. Da ist die Akustik besser. Du freust dich auf 4 Stunden Schlaf.

Zu Pseudonymen

Pseudonyme im Internet sind ein Thema, welches in letzter Zeit wieder zunehmend gerne auf die Bühne gezerrt wird. So lässt zum Beispiel Google+ seine Dienste nur noch zu, wenn man sich dort unter seinem realen Namen anmeldet. Auch die Politik scheint sich nichts sehnlicher zu wünschen, als dass man sich im Internet nur noch unter seinem vollen Namen äußern kann.
Ich möchte mich an dieser Stelle nicht in die politische Diskussion einklinken, sondern meine persönliche Sicht zu diesem Thema beitragen.

Die Ennomane schreibt in einem Text, den er im Rahmen seiner Google+-Sperre veröffentlichte:

Ich bin öfters gefragt worden, warum ich denn unbedingt “Die Ennomane” statt Enno Park heißen will. Will ich eigentlich gar nicht. Es geht nicht um mich. Was ich möchte, ist ein Exempel statuieren. Ich halte die Nutzung von Pseudonymen für ein Online-Menschenrecht, das als solches noch zu deklarieren ist. Klingt pathetisch, aber darunter mache ich es nicht. Nicht nur, weil schwule Iraner gut daran tun, ihre Identität zu verschleiern, und es ein sehr berechtigtes anliegen von Lehrern auch hierzulande ist, dass ihre Schüler nicht jeden Pups im Netz nachlesen – sondern auch, weil die Hoheit über die eigenen Identitäten (ich verwende bewusst den Plural) Sache des Einzelnen sein muss. Diese ganze Diskussion müssen wir jetzt nicht wiederholen – ich habe das alles schon woanders aufgeschrieben.

Damit vertritt Die Ennomane einen Standpunkt, der unabhängig von allen Google+-Diskussionen, meiner Meinung nach, sehr wichtig ist. Auch wenn wir hier in Deutschland nicht in einer Welt leben, in der Meinungsäußerung Gefahr für das eigene Leben bedeutet, so fangen die Probleme weitaus früher an.

Dieses Blog wird anonym geführt, genau wie mein Twitter-Account und der Realitaetsfilter. Wäre ich verpflichtet, dort meinen Realnamen anzugeben, würden sie nicht existieren. Was, mit Blick auf meine Klickzahlen, wohl nicht nur ich schade fände.
Ich mache als h4wkeye im Gegensatz zu meiner offiziellen Identität keinen Hehl aus meinem Autismus. Ich habe ihn offen in meiner Twitterbio stehen und blogge darüber. Im Alltag ist das anders. Gerade der Begriff Autismus ist da sehr vorurteilsbelastet. Wenn jeder, der meinen Namen kennt, beim Googlen von selbigem auf Autismus stoßen würde, hätte ich ein ernsthaftes Problem sowohl mit meinen Mitmenschen, als auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dabei, später einen Job zu finden. Das Internet ermöglicht mir so einen offenen Umgang mit meinem Autismus, der anders nicht möglich wäre. Ein Umgang, der durch eine Klarnamenpflicht unmöglich wäre. Zumindest nicht, ohne dass das Leben mit meinen Mitmenschen tief beeinträchtigt wäre.

Hier ist Autismus nur ein Beispiel für ein Problem, welches vielen Personengruppen unangenehm werden könnte. Für dieses Problem muss man keiner Gruppe angehören, die mit gesellschaftlicher Akzeptanz zu kämpfen hat. Schon heute liest man regelmäßig von Menschen, die versehentlich unter Realnamen posteten und über Jahre hinweg mit den Auswirkungen zu kämpfen haben. Dies würde uns allen blühen, denn im Gegensatz zum bayrischen Stammtisch vergisst das Netz das Gesagte nicht nach dem dritten Bier, sondern nur in seltenen Fällen.