Zwei Uhr

Als ich zurück ins Wohnheim komme, ist es zwei Uhr. Schon als sie am Nachmittag Bierbänke und Soundanlage aufbauten, kam ich zum Schluss, es sei besser zu fliehen. Eine Freundin nahm mich freundlicherweise auf. Gegen ein Uhr musste sie jedoch schlafen und ich wieder nach Hause. In meiner Abwesenheit wuchs die Party um drei Laser, zwei Nebelmaschinen und eine undefinierbar große Menge von Menschen.

Train – Wie immer, wenn ich nach einer halben Stunde wachliegen zu dem Ergebnis komme, dass ich ohnehin nicht schlafen werde, laufe ich im Gelände umher. Dazu muss ich zunächst einmal durch die Wand aus teilnahmslos tanzenden Menschen, Nebel und Licht. Dann über drei, ins Smartphone tippende, Studenten die Treppe hinauf.  Von der ersten Etage aus habe ich, an eine Wand gelehnt, einen guten Überblick über alles unter mir.


Lila Wolken – Nach fünfzehnn Minuten habe ich die Dynamik dieser Szenerie in etwa erfasst. Die Wiese vor meinem Fenster ist die Chill-Out-Area. Weit genug vom Eingang mit seiner Tanzfläche und der Waschküche, respektive Bar, entfernt und trotz allem nah genug an der Wand der Hochschule, die an diesem Abend als Toilette fungiert.

36 Grad – Ich sitze direkt über der Nebelmaschine. Irgendwie riecht der Nebel komisch und ich werde leicht benommen. Ich gehe noch eine Etage nach oben. Unter mir füllt und leert sich die Tanzfläche periodisch. Immer wieder wechseln  Gruppen zwischen Tanzfläche und Wiese. Andere auch gleich über den Parkplatz in das Gehölz dahinter. Nach einer Weile kommen sie dann wieder und verschmelzen wieder mit den Menschen auf der Tanzfläche.

What is Love – Ein Einzelner taumelt quer über die Wiese und die Tanzfläche. Immer wieder gibt ihm die Menge genug Freiraum, so dass er niemanden anrempeln kann. Als er plötzlich einen Biertisch umwirft und einige Dutzend leere Flaschen über die Wiese – respektive Chill-Out-Area – verteilt, schwindet der Freiraum und eine undurchdringbare Mauer aus eben noch Feiernden treibt ihn in Richtung der S-Bahn-Station.

Everybody – Drei Glatzköpfige stehen abseits der Tanzfläche. Regungslos beobachten sie das Treiben. Aller fünf Minuten wechseln sie ein paar Worte.

The Riddle – Der taumelnde Einzelgänger kehrt zurück. Drei der Leute, die ihn Richtung S-Bahn geleiteten, beobachten ihn aus der Ferne. Als er einen der Biertische davonträgt, schreiten sie ein. Ohne besonderes Zutun der Drei landen Biertisch und Einzelgänger auf dem Boden. Schnell wird der Biertisch zurück- und der Einzelgänger in die stabile Seitenlage gebracht.

Irgendetwas Lautes – Direkt unter mir versucht ein Student seit einer Stunde meine Nachbarin zu überzeugen, dass seine Hände von Natur aus unter ihr Top gehören. Sie ist die einzige, die ich bis zu diesem Punkt noch keinen Alkohol konsumieren sah. Nach intensiver Argumentation kann sie sich doch mit dem Gedanken anfreunden und verhandelt nun ihrerseits die Position ihrer Hände. Zehn Minuten später verschwinden sie gemeinsam in Richtung ihres Zimmers.

Sowas wie Musik? – Die Wiese/Chillout Area leert sich langsam. Die Tanzfläche nicht. Vereinzelt werden Tische und Bänke abgeräumt und weggebracht. Plötzlich fällt die Musik aus. Nach ersten skandierten Morddrohungen gegen den DJ beginnt die Menge „Marmor, Stein und Eisen bricht“ zu singen. Über den Refrain kommen sie jedoch nie hinaus. Während sich das Textproblem nicht beheben lässt, verschwinden weiter Tische. In der Zeit in der die einen noch singen, beginnen andere Menschen nach ihren Jacken zu suchen. 45 Iterationen “Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht!” später beginnt die Anlage wieder  zu spielen. Im Schein des nahenden Sonnenaufgangs wird die vom Musikausfall ausgelöste Aufbruchstimmung jedoch kaum abgefangen.  Menschen verabschieden sich voneinander. Immer mehr Personen stehen auf der Tanzfläche, statt sich zu bewegen. Die Bewegungen der wenigen Tanzenden werden sparsamer. Jemand trägt eine Couchecke durch die Menge.

Etwas das ein kaputtes Xylophon sein könnte – Die Mengen lichtet sich. Sowohl die der Menschen auf der Tanzfläche, als auch die der Bierflaschen auf der Wiese. Mehrere Studenten fahren mit Ikea-Einkaufswagen umher und sammeln Leergut ein. Die Musik wird für die Suche nach dem Eigentümer eines Samsung Galaxy S5 unterbrochen. Die wenigen, die noch tanzen, bemerken nicht einmal, dass die Musik dafür ausgestellt wurde. Auch Licht- und Nebelmaschinen verschwinden beinahe unbemerkt.

Wer jetzt noch da ist, ist entweder bewusstlos oder räumt leere Flaschen weg. Zwischen diesen Gruppen scheint es jedoch einige Grauzone und Überschneidung zu geben. Irgendjemand fragt mich, ob alles gut sei. Ich nicke nur und tippe meine Beobachtungen weiter auf das Display. Während unter mir aufgeräumt wird, bleibe ich noch eine Weile sitzen und schaue der Sonne dabei zu, wie sie über dem Uni-Gebäuden aufgeht.

Sonnenaufgang über den Gebäuden

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Samstag, 22:30 Uhr

Das Gerücht, dass die letzten Monat ausgebrannten Waschmaschinen gegen neue  ausgetauscht wurden, hatte sich als Wahrheit herausgestellt. Ich betrachtete den Berg Wäsche und wunderte mich, dass ich zwar in Brandenburg lebte, aber es trotzdem keine Möglichkeit gab, einen Lastesel zu mieten.

Mit zwei IKEA-Taschen Wäsche trat ich aus meinen Zimmer in die Küche, um direkt auf die entblößte Glutealregion eines sichtbar angestrengten Japaners zu blicken, der seine gesamte Konzentration darauf verwendete, seinen Blaseninhalt in meine Küchenspüle zu befördern. Während ich ihn unhöflich aber nachdrücklich bat, dies zu unterlassen, blickte er sich erschrocken um, sackte in sich zusammen und blieb liegen. Ich überlegte kurz, wie lange die Waschmaschine wohl noch frei bliebe, und ließ ihn liegen, um kurz darauf über einen vor meiner Tür kriechenden Bayern zu stolpern. Dieser war damit beschäftigt sowohl seine Hose als auch seine Brille zu suchen.

Mein erster Mitbewohner meinte, ich würde mich an die Samstag-Abend-Hindernisläufe gewöhnen. Geglaubt habe ich ihm nicht, aber nach dem zweiten Jahr entwickelte sich eine gewisse Routine. Nachdem ich über einen weiteren Bayern, mit fremder Brille und zwei Hosen, sowie ein koitales Pärchen kletterte, konnte ich dann die Waschmaschine neben zwei Herren  und einer Schubkarre befüllen und schaute ihnen dabei zu, wie sie abwechselnd Sand des örtlichen Spielplatzes in die Trommel füllten und dabei laut saubere Spielplätze forderten, bis mir einfiel, dass in meiner Küche ja noch ein Japaner liegt.

Auf dem Rückweg stellte ich sowohl fest, dass das Pärchen sich inzwischen getrennt hatte und Flaschen aufeinander warf, als auch, dass sich vor meiner Küche eine Schlange gebildet hatte und der, wieder voll bekleidete, Bayer 5 € dafür nahm, zwei Minuten mit dem Japaner und einem Edding allein zu sein. Es brauchte einige Minuten, bis ich ihn überzeugte, dass es nicht seine beste Idee wäre, 5 € von mir zu verlangen, um mich meine Küche betreten zu lassen, und legte ihm nahe, mir 30 % des Geldes zu geben und dann mitsamt dem Japaner aus meiner Küche zu verschwinden.

… und während er den Japaner in die leere Sandschubkarre verlädt und die Küche räumt, probe ich vor dem Spiegel, meinem Mitbewohner die Wichtigkeit des Türschließens einzubrüllen.

Mitbewohnen – Ein Einsteigerkurs

Basierend auf wahren Begebenheiten:

Wenn Sie mir auf den diversen sozialen Plattformen folgen, oder zu den regelmäßigen Lesern dieses Blogs zählen, dürften Sie bereits gemerkt haben, dass ich seit mittlerweile zwei Jahren in einem Studentenwohnheim lebe. Diese Studentenwohnheime haben im Allgemeinen eine höchst unangenehme Eigenschaft:

Man lebt mit anderen Menschen zusammen.

Ein äußerst ungünstiger Umstand, mit dem sich viele Studierende konfrontiert sehen. In den  letzten Jahren habe ich mittlerweile sieben Mitbewohner verschlissen und stellte fest, dass das gemeinsame Leben für viele Studierende eine hochgeheime Wissenschaft zu sein scheint. Um das zu ändern habe ich nun meine Erfahrungen mit den Mitbewohnern in eine kompakte Anleitung gegossen, in der Hoffnung, dass Ihnen die Irrwege erspart bleiben, denen sich meine Nachbarn und Mitbewohner konfrontiert sahen.

Der Einzug

Herzlich Willkommen im Studentenwohnheim. Es ist höchst wahrscheinlich, dass Sie sich Küche und/oder Bad mit mindestens einem Menschen teilen müssen. Auch sonst werden sie diesem Mitbewohner vermutlich häufiger begegnen. Daher empfiehlt es sich, sich bei ihm vorzustellen. Tun Sie das am besten selbst und vermeiden Sie nach Möglichkeit, dass ihre Mutter oder Studienbetreuerin dies übernimmt. Hier können Sie auch gleich klären, wie die gemeinsame Nutzung der Räume aussieht.
Zur Begrüßung empfiehlt sich ein einfaches „Hallo, ich bin  dein neuer Mitbewohner“. Sätze wie: „Ich habe deinen Kram aus den Küchenschränken in die Kiste gepackt, sonst hätten meine Ravioli nicht reingepasst“ sind zur Begrüßung eher weniger zu empfehlen – sofern es nicht Ihr Ziel war, die Nahkampffertigkeiten Ihres Mitbewohners zu testen.

Bekleidung

Augenscheinlich sollte das ein simpler Themenkomplex sein, trotzdem zeigten sich hier in der Vergangenheit immer wieder Schwierigkeiten. Um es kurz zu machen:

ZIEHEN SIE SICH UM GOTTES WILLEN ETWAS AN!

Sie leben mit einem fremden Menschen zusammen. Es mag Sie eventuell überraschen, aber er hat absolut kein Interesse, herauszufinden, wie Sie eigentlich unter der Kleidung aussehen. Auch wenn Sie unsicher sind, ob die Unterhose Ihnen steht, klopfen Sie nicht um  drei Uhr morgens bei ihm an und fragen Sie, ob er so mit Ihnen schlafen würde, wenn er eine Frau wäre. Wirklich nicht.
Sollten Sie ihre Wäsche wechseln, wozu ich dringend rate, deponieren Sie die dreckigen Teile an einem dafür geeigneten Ort. Ein Wäschesack in Ihrem Zimmer bietet sich an. Weniger geeignet sind hier Badezimmer, Duschkabinen, der Hohlraum hinter Heizkörpern, oder Kühlschränke.

Ordnung/Sauberkeit

Putzpläne sind eine wundervolle Sache. Zumindest wenn sich alle daran halten. Der Umgang mit ihnen scheint jedoch im höchsten Maße die Kreativität zu beflügeln. Glauben Sie mir. Es fällt auf, wenn Sie nur dann kochen oder duschen, wenn Sie nicht auf diesem Putzplan stehen.

Insbesondere beim Duschen.

Trotzdem entbindet so ein Putzplan nicht von einer gewissen Rücksichtnahme. Das züchten von eigenständigen neuen Evolutionsstufen lässt sich nicht dadurch begründen, dass Sie gerade nicht mit dem Saubermachen dran sind. Ebenso können Sie die Kaugummis in den Müll und nicht auf den Teppich spucken.
Pro-Tipp: „Ich bin nicht dran mit sauber machen!“ ist grundsätzlich immer die falsche Antwort, falls ihr Mitbewohner sie fragt, warum er bei der Rückkehr aus dem Urlaub in einen verwesenden Fischkopf getreten ist.

Privatsphäre

Verfügt ihr Raum über eine Zimmertür? Wenn nicht, die Nummer des Hausmeisters für Beschwerden finden Sie meist am schwarzen Brett am Eingang. Wenn ja, herzlichen Glückwunsch. So eine Tür bringt eine faszinierende Fertigkeit mit sich:
Man kann sie schließen.

Von dieser Nutzungsmöglichkeit sollten Sie ausgiebig Gebrauch machen, insbesondere dann, wenn Sie Besuch haben, Musik hören, oder gerade dabei sind, laut singend mit leeren Vodkaflaschen zu jonglieren. Vor allem wenn Sie laut singend mit leeren Vodkaflaschen jonglieren!

Geschlechtsverkehr

Es ist erfreulich, dass Sie trotz Ihres harten Studienalltags Zeit für Zwischenmenschliches finden. Auch hier gelten aber die Regeln der Privatsphäre und der Bekleidung.
Trotzdem scheint es bei diesem Thema immer wieder zur Konfusion zu kommen. Es bietet sich an, die gemeinsame Zeit im eigenem Zimmer zu verbringen. Auf diese Weise lässt sich am besten vermeiden, dass ihr Mitbewohner Sie auf der Küchenzeile erwischt. Sollte es sich aus unbekannten Gründen einmal nicht umgehen lassen, so vermeiden Sie nach Möglichkeiten, dabei sein komplettes Geschirr auf dem Boden zu verteilen. Ebenso empfiehlt es sich für das Wohnklima, davon abzusehen, die Dusche – und damit das gesamte Bad –, für einen gemeinsamen Nachmittag mit seinem Partner zu blockieren. Insbesondere wenn es sich hierbei um das einzige Bad handelt.
Außerdem zu vermeiden sind: Wohnheimflure, die Tür Ihres Mitbewohners (der dann überraschend doch zuhause ist), oder das Zimmer ihres Mitbewohners, das dieser vergessen hat abzuschließen.

Für die Entsorgung eventuell verwendeter Kondome rate ich zum Mülleimer, weder die Küchenspüle, noch der Briefkasten des Mitbewohners stellen hier einen angemessenen Ersatz dar.

Der Auszug

Sie haben genug vom Wohnheimleben? Stören Sie die wöchentlichen Feueralarme um drei Uhr morgens? Haben Sie sich mit der örtlichen Rattenpopulation zerstritten?

Der Auszug aus einem Wohnheim ist im allgemeinen unkompliziert, sofern die Formalien mit dem Vermieter außen vor gelassen werden. Nehmen Sie einfach alles mit, was sie hergebracht haben und verlassen Sie die Räume in einem, dem Ursprungszustand ähnlichen, Zustand.
Geschenke an den verbleibenden Mitbewohner sind zwar nett, aber fragen Sie ihn einfach vorher, ob er Interesse an der Sammlung 1A Altpapier oder der russischen Ziertellersammlung hat.
Sollten Sie entgegen der Empfehlung Ihre Unterwäsche doch hinter Heizkörpern aufbewahrt haben, denken Sie daran ,diese von dort auch beim Auszug mitzunehmen.

Abschließende Hinweise

Sollten sie für die Verarbeitung ihres Wohnheimaufenthaltes psychologische Hilfe benötigen, können Sie Adressen zu Therapieangeboten und Selbsthilfegruppen in jedem Krankenhaus, oder bei Ihrer Krankenkasse erfragen.

Ticker

+++ 02:13 Uhr: So langsam kehrt Ruhe ein im Zimmer des Benjamin F. Die Nachbarpartys lösen sich nach der dritten Androhung, die Polizei zu rufen, auf. +++

+++ 02:36 Uhr: Nach einigen dramatischen Szenen im Badezimmer, beendet Benjamin F. seinen Tag unter der Anwendung einer Familienpackung Gehörschutz und legt sich ins Bett. +++

+++ 04:11 Uhr: Unter der lauten Verwendung obszöner Begrifflichkeiten, verlässt Benjamin F. bekleidet mit Schlafanzug, Bademantel, Taschenlampe und Wollmütze sein Wohnheimzimmer. +++

+++ 04:14 Uhr: Beim Blick aus dem Fenster können wir Herrn F. dabei sehen, wie er lautstark mit einer Person diskutiert, die einen laufenden Laubbläser betreibt. Möglicherweise der Hausmeister des Wohnheims. +++

+++ 04:29 Uhr: Sichtlich um Fassung bemüht, bestätigt uns Herr F., dass es sich wirklich um den Hausmeister des Wohnheims handelt. Dieser hat zur Zeit bereits die Hälfte der Wiese vom Laub befreit. +++

+++ 04:57 Uhr: Trotz mehrfacher Bitten von Benjamin F. und anderen Wohnheimbewohnern, setzt der Hausmeister das Laubblasen weiter fort. Eine Stellungnahme lehnt er ab. +++

+++ 05:08 Uhr: Nachdem die Wiese vollständig von Laub befreit wurde, ziehen sich die Bewohner in das Wohnheim zurück. +++

+++ 05:11 Uhr: Herr F. sitzt mit einer Tasse Tee auf dem Fensterbrett und beobachtet unter manischem Kichern, wie der Hausmeister einen Sitzrasenmäher auf die Wiese fährt. +++

+++ 05:15 Uhr: Der Hausmeister beginnt mit dem Mähen des Rasens. Anwesenden Experten zufolge ist jedoch höchst umstritten, ob dies den Rasen zu dieser Jahreszeit unbeschadet lässt. +++

+++ 05:19 Uhr: Ein Bewohner des benachbarten Einfamilienhauses schafft es, einige Worte mit dem Hausmeister zu wechseln. Augenzeugen zu Folge habe dieser “verständnisvoll genickt”. +++

+++ 05:42 Uhr: Der Nachbar hat gemeinsam mit dem Hausmeister den Rasenmäher aufgebockt. Gemeinsam lösen sie unter dem mehrfachen Einsatz von Hämmern den Motor aus dem Mäher. +++

+++ 06:02 Uhr: Herr F. verlässt das Wohnheim mit einer gepackten Tasche und der Ankündigung “sich einen schön ruhigen Bahnhof zum Schlafen zu suchen”, sowie einer Erklärung, dass er nur von Irren umgeben sei. +++

+++ 06:28 Uhr: Der Nachbar hat eben in einer Stellungnahme erklärt, dass der Hausmeister von seiner Freundin rausgeworfen wurde “und nicht wusste, was er sonst tun sollte”. +++

Lustige Texte

“Eigentlich müsste ich mal wieder irgendwas Lustiges schreiben” denke ich mir und klicke auf Senden. Zwei Stunden an einer Mail geschrieben, in der ich versuche einer Mutter zu erklären, dass ihr Kind nicht Autist wurde um ihr eine reinzuwürgen. Während ich die Mail zu den Vorlagen kopiere, da ich sie sicherlich noch einmal brauchen werde, komme ich zum Schluss das in letzter Zeit einfach nichts Lustiges passiert.
“Nächste Station: Südkreuz”
Ich klappe mein Netbook zu und gehe zur Tür. Vor mir Frau, Kind und Kinderwagen im Leopardenmuster. Ich überlege einen kurzen Moment was von alledem schlimmer aussieht bis ein gleichgemusterter Mann sich an mir vorbeidrängt und mir diese Entscheidung abnimmt.


30 Minuten später stehe ich mit einer kalten Bratwurst und einer warmen Cola auf einer Wiese und frage, ob man denn in die Kirche rein könne, die das Denkmal ist, um das sich dieses Bohei zu drehen scheint. “Nicht alleine, das geht nur mit einer Führung.” Auf meine Nachfrage, wann denn die nächste Führung sei, zuckt er nur mit den Schultern “Heute überhaupt nicht. Nächste Woche, irgendwann”. Nachdem ich meine Wurst gegessen habe gehe ich an den Plakaten für den Tag des offenen Denkmals vorbei zu meinem Fahrrad.


Mit dem Wohnungsschlüssel in der Hand stehe ich 2 km später einem polnischem Wanderarbeiter gegenüber, der an meiner Zimmertür rüttelt. Während er mich anschreit was ich in seiner Wohnung will und warum ich einen Schlüssel habe streiten sich in meinem Kopf zwei Stimmen, ob ich ihn fragen sollte warum er nur eine Wollmütze trägt, oder ob ich doch eigentlich ganz froh ob der Tatsache sein sollte dass ich das nicht weiß. Bei der Frage, warum er meine Zahnbürste im Mund hat erübrigt sich diese Diskussion.


Die zweite Stimme gewann diese Diskussion und damit entgeht einem Therapeuten vermutlich ein sehr lukratives Geschäft. Beim Versuch mir Abendessen zu machen werde ich fast von einer Sackkarre mit Bierkisten überfahren. Ein mies gelaunter Fahrer pflaumt mich an ich solle mal nicht im Weg stehen, dass sei hier keine öffentliche Küche. Mein neuer Mitbewohner kommt mit meinem Rasierer in der Hand aus dem Bad heraus. Wenn ich schon in seiner Wohnung sitze solle ich doch nicht im Weg rumstehen, er erwarte schließlich Gäste. Während er mich fragt wo ich denn den Rasierschaum habe setze ich einen neuen Rasierer auf meine innere Einkaufsliste.


Es hämmert seit einer halben Stunde an meiner Zimmertür, nach einem langem Blick auf die Uhr und noch längerer Überlegung komme ich zum Schluss dass es vermutlich halb Sechs am Morgen ist. Nach einer weiteren Überlegung komme ich zum Schluss, dass die “AUFMACHEN” brüllende Stimme keinen polnischen Akzent hat und öffne die Tür. Der Hausmeister möchte wissen warum meine Spüle bei ihm vor der Bürotür steht. Nach einigen Minuten Nachdenken zucke ich mit den Schultern und klettere über zwei Skinheads hinweg zum Bad. Dort treffe ich meinen unbekleideten und unter der Dusche schlafenden Mitbewohner. Die beiden Stimmen in meinem Kopf scheinen wacher als ich zu sein und beginnen mit einer munteren Diskussion, ob ich wissen will, ob vor “unbekleidet” ein “wieder” oder ein “immer noch” gehört. Sie werden vom schreienden Hausmeister unterbrochen, dem einer der Skinheads grade auf die Füße gekotzt hat.
Als ich wieder zurück in mein Zimmer gehe höre ich, wie der Wanderarbeiter den Hausmeister anbrüllt, was er denn in seiner Wohnung zu suchen hat.

Montag

05:45
Jemand kotzt vor deine Tür, du wirst wach, weil er dabei im starken russischen Akzent rumbrüllt, dass er dir nicht absichtlich vor die Tür kotzt.

6:45
Im Halbschlaf hast du den Russen davon überzeugt, dass es irgendwie eine doofe Idee ist, bis morgen zu warten, und dass er es doch bitte sofort wegwischt. Nach einem Blick auf die Uhr wird dir klar, dass du die halbe Stunde Schlaf, die du jetzt noch haben könntest, besser durch einen halben Liter Kaffee und eine Dusche ersetzen solltest.

7:15
Der Russe hat sich während des Aufwischens noch zweimal übergeben und liegt jetzt schlafend neben dem Putzeimer in seinem eigenen Erbrochenen. Du steigst über ihn und gibst im Rausgehen dem Hausmeister Bescheid, dass da ein Betrunkener im Flur liegt.

8:30
Der Dozent der Vorlesung, die seit 8 Uhr gehalten werden sollte, schickt eine Mail, dass er sich wahrscheinlich 10 Minuten verspätet.

10:00
Der Professor für HTML beginnt, von Frames als Zukunft des Internets zu erzählen. Du fragst dich, wie viel Senf du wohl brauchst, damit der Tisch nicht mehr ganz so trocken schmeckt.

12:00
Das Mittagessen in der Mensa fällt aufgrund eines Brandes in der Küche aus. Als Alternative wird ein kaltes Salat- und Wurstbuffet für 5€ angeboten. Pro Teller.

16:00
Professor merkt nach einer halben Stunde, dass er im falschen Raum steht und erzählt. Du beginnst dich mit der Frage zu beschäftigen, was man eigentlich noch so studieren könnte.

18:45
Du steigst über den immer noch vor deiner Tür schlafenden Russen und das Sägemehl, das der Hausmeister über ihn und sein Erbrochenes gestreut hat. Beim Versuch den Rechner hochzufahren fliegen in der ganzen Etage die Sicherungen raus. Beim Rausgehen zum Sicherungskasten weckst du ausversehen den Russen, der fragt, ob du ein Bier für ihn hast.

19:45
Nachdem du die Sicherung wieder reingedrückt hast und seit einer Stunde versuchst, das Internet zum Laufen zu bekommen, gibst du auf und beschließt, dass es vielleicht doch eine gute Idee wäre langsam mal etwas zu essen. Vor deiner Tür hat der Russe sein Bier gefunden und singt die Melodie von Tetris.

19:55
Du stellst fest, dass der Grund dafür, dass du wieder im Dunkeln sitzt, diesmal nicht die Sicherung ist, sondern dass im Keller zwei BWL-Studenten beim Versuch den Flur zu wischen Wasser in den Hauptstromkasten gekippt haben.

20:05
Nach einem Telefonat mit dem Hausmeister bist du beruhigt, dass er sich in den nächsten Tagen darum kümmern wird.

21:00
Du versuchst aus den Resten in deinem Kühlschrank ein Essen zusammenzubasteln, für dessen Zubereitung du keinen Strom brauchst. Vor deiner Tür wird gerade der Deutsch-Russische Männerchor gegründet. Die Nationalhymne wird gesungen.

22:00
Deine verzweifelten Versuche, irgendwo in der Einöde so etwas wie mobiles Internet zu bekommen, gibst du auf. Vor deiner Tür wird die polnische Nationalhymne geübt.

01:15
Die Chorprobe wird mit freundlicher Unterstützung der Polizei, auf Empfehlung der Nachbarn hin, auf der nächsten Polizeiwache fortgesetzt. Da ist die Akustik besser. Du freust dich auf 4 Stunden Schlaf.